Lunchen mit Geschichte

claro; ist ein feines mediterranes Restaurant im Tel Aviver Stadtteil Sarona, in einem Gebäude, das seine Gäste quer durch die israelische Historie führt.

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© Reinhard Engel

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HaArba’a St #23, Ecke Rav Aluf David Elazar 30, Tel Aviv
Tel.: +972/(0)3/601 77 77
clarotlv.com

Auf den ersten Blick wirkt der große, helle Raum wie eine ehemalige Markthalle. Die steinernen Mauern wurden unverputzt belassen, durch große Fenster fällt viel Licht herein, Kellnerinnen und Kellner wuseln zwischen der offenen Küche und den rohen Holztischen hin und her. Außen duckt sich der dicht grün verwachsene Bau in die südwestliche Ecke des heutigen Ausgehviertels Sarona, schon fast an die modernen Wohntürme gelehnt.
Wer hierher zum Essen kommt, erhält einen Schnelldurchgang israelischer Geschichte, bereitwillig erzählt vom Personal am Beispiel des Baus. Errichtet wurde er 1886, noch im von Deutschen gegründeten Dorf, und damals gehörte das Haus zur örtlichen Weinkooperative. Im heutigen Speisesaal wurden die Fässer erzeugt. Ab 1925 destillierten hier die bekannten Weinproduzenten Segal und Teperberg Hochprozentiges. 1930 schaffte die Firma Rekord eine deutsche Druckerpresse an, und diese Branche sollte noch später eine Rolle spielen.

Wer hierher zum Essen kommt, erhält einen Schnelldurchgang israelischer Geschichte, bereitwillig erzählt vom Personal am Beispiel des Baus.

Während des Zweiten Weltkriegs war hier das Britische Oberkommando untergebracht, ehe in den späten 40er-Jahren erst israelische Briefmarken gedruckt wurden, später überhaupt die Druckerei der Regierung ihre Arbeit aufnahm. Ab 1950 hatte in dem Gebäude die israelische Nationalbank ihren Sitz. Und schließlich arbeiteten von 1963 an Agenten und Beamte des Mossad in den historischen Mauern.

Ceviche, angerichtet mit Wassermelone, Schalotten, scharfem Pfefferoni und Labane. © claro

Seit 2014 darf man hier genießen, und das ist nicht wirklich schwer. Unter der Leitung des Küchenchefs Ran Shmueli hat sich claro; zu einem der beliebtesten Restaurants der Stadt hinaufgearbeitet, und an Konkurrenz fehlt es in Tel Aviv nicht gerade. Beginnen kann man mit rohen lokalen Fischen, etwa in der Kombination mit Tomatensauce, Taboule und Joghurt (NIS 68) oder als Ceviche, angerichtet mit Wassermelone, Schalotten, scharfem Pfefferoni und Labane (NIS 54). Wer sich nicht für Fisch interessiert, findet kreativ gemixte Salate der Saison, etwa mit eingelegten Zwiebeln und Schafkäse (NIS 58).
Die Hauptgerichte haben ebenfalls einen Fischschwerpunkt, etwa geräucherte Forelle aus dem Fluss Dan mit Kartoffelsalat, grünen Bohnen und Krensauce (NIS 98) oder gegrilltes Fischfilet mit geröstetem Kukuruz und türkischem Spinat (NIS 142). Für Fleischesser gibt es Lammrippen mit eingelegten Zitronen (NIS 138) oder klassischen Hamburger mit selbst erzeugter Barbecue-Sauce und eingelegtem saurem Gemüse (NIS 88).
Am günstigsten isst man zu Mittag, da zahlt der Kunde für den Business Lunch den jeweiligen Preis des Hauptgerichts, bekommt aber eine Vorspeise und ein alkoholfreies Getränk dazu.
Die Weinkarte ist umfangreich, allerdings wie überall in Israel nicht gerade günstig.
Unter dem Speisesaal bietet LeMata, eine Lounge-Bar für Events, Firmenfeiern oder Hochzeiten, Raum für bis zu 200 Personen. Wer dort Party feiert, kann noch den einstigen Tresor der Nationalbank besichtigen.

Paprikasch

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