Mediterran im Achten

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Das Deli Bluem und seine Dependance im Volkskundemuseum versorgen einen bürgerlichen Bezirk mit gesunder, fleischloser internationaler Küche.

Exakt um zwölf Uhr Mittag ändert sich der Charakter des Lokals. Bisher sind an mehreren Tischen junge alternativ-bürgerliche Frauen bei Kaffee und Kuchen gesessen, manche mit kleinen Kindern, andere noch in Erwartung. Doch jetzt stürmen hungrige, mittelalterliche Männer das Deli Bluem. Und sie sind neugierig, wollen am Bü­fett genau wissen, was sich hinter dem heutigen südafrikanischen Auflauf verbirgt, welche Gemüseplatte welche Ingredienzien enthält.

„Ich mache das, was ich selbst als Kunde gerne hätte.“

DeliBluem2EngelDas Deli Bluem ist ein hohes, helles Lokal mit Blick auf die alten Bäume des Hamerlingparks. „Ich wollte unbedingt Licht und Grün sehen“, erzählt Andrea Vaz-König von der Suche nach einem Standort für ihr Gastronomie-Projekt vor knapp zwei Jahren. „Gefunden habe ich dann hier ein ehemaliges Elektrogeschäft. Aber davor war es auch Jahrzehnte ein Lokal gewesen.“

„Internationale mediterrane Küche“ bietet Vaz-König ihren Gästen. Und international war sie schon vor ihrem Wechsel in die Essensbranche. Ihren Doppelnamen hat sie von einem spanisch-galici­schen Vater und einer österreichischen Mutter. Und nach dem Welthandelsstudium arbeitete sie lange Jahre als Investmentbankerin und betreute Industrieunternehmen in Osteuropa. Ihre Schreibtische standen in Wien, aber auch in Laibach und in Kiew. „Eigentlich habe ich mich immer selbstständig machen wollen, nur noch nicht gewusst, womit.“

Doch im Laufe der Zeit wurde Ernährung für sie immer wichtiger, vor allem auch als junge Mutter. Neben ihrem Bankjob begann sie mit den Vorbereitungen, und als sie sich sicher war, buchte sie einen einschlägigen Gastronomiekurs an der Wirtschaftskammer. „Ich mache das, was ich selbst als Kunde gerne hätte. Ich möchte hier echtes Essen anbieten, das sich das Wort Lebensmittel verdient: natürlich, frisch, biologisch und regional.“ Die Chefin von zehn Mitarbeitern isst zwar selbst gelegentlich Fleisch, in ihrem Lokal bietet sie keines an. „Bei mediterran-israelischen Gerichten merkt man überhaupt nicht, dass es fehlt, bei dieser Vielfalt von Gemüsen und Kräutern.“ Sie sagt das nicht zufällig, denn sie zählt den israelisch-englischen Starkoch Yotam Ottolenghi mit seiner kreativen nahöstlichen Küche zu ihren großen Vorbildern.

Entsprechend sieht auch das Standardangebot von Deli Bluem aus: Melanzani mit Soja-Safranjoghurt, Granatapfel, Pinienkernen und Basilikum; Rote Linsen und Hirse mit Saisonobst, Spinat und Radicchio; Roter Camargue-Reis mit Austernpilzen, Erbsen und Kräutern. Kombinationen kosten als kleiner Teller 6,50 Euro, groß 10,50 Euro. Dazu gibt es wechselnde warme Tagesteller um 6,50 oder mit zwei Salaten um 10,50. Das kann ein lateinamerikanisch angehauchtes Chili sin Carne sein oder auch einmal ein Kürbisgulasch („halb ungarisch“).

Seit eineinhalb Jahren gibt es das Deli Bluem, im Juni hat Frau Vaz-König zusätzlich eine Dependance im nahegelegenen Volkskundemuseum eröffnet. Dort findet sich ein etwas kleineres Angebot, dafür ist gelegentlich am Abend länger offen – und bei Schönwetter sitzen die Gäste in einem zauberhaften verwunschenen Garten auf der Rückseite des Barockpalais Schönborn. Take-out und Catering werden ebenfalls angeboten. Von Paprikasch

RESTAURANT TIPP

Deli Bluem
Hamerlingplatz 2, 1080 Wien
Mo.– Fr., 8 –19 Uhr;
Sa., So. u. feiertags, 9 –18 Uhr
Tel: +43/(0)1/89 00 449 delibluem.com

Bluem im Museum
Laudongasse 15–19,1080 Wien
Di.–So., 10 –17 Uhr; Do. 10 –22 Uhr
bluem@volkskundemuseum.at
Tel: +43/(0)1/40 68 905-10

Bild: © Reinhard Engel

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