Editorial

„Es war uns klar, dass etwas Schreckliches über diesem Ort lag: [...] Ich dachte an ein paar Tausend Tote – nicht an Zyklon B und das Ende der Menschlichkeit.“ Jakow Wintschenko, Soldat jener Division der Roten Armee, die Auschwitz-Birkenau befreite.

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© privat

Am 27. Jänner werden wir zum 74. Mal der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und damit dem Ende der faschistischen Herrschaft in Europa gedenken. Immer weniger Überlebende können uns noch erzählen, weshalb wir uns erinnern sollen. Und immer mehr Unwissende können sich nicht mehr erinnern oder wollen es nicht. Die weltpolitische Situation macht uns jedoch klar, warum das Erinnern wichtiger ist denn je – und genau darüber erzählen acht Zeitzeuginnen in einem Video des Word Jewish Congress zur #WeRemember-Kampagne 2019 so verständlich, dass ich sie gerne selbst sprechen lassen möchte: „Wir haben das Schlimmste der Menschheit gesehen, bei dem Millionen von Menschen abgeschlachtet wurden. Dies geschah jedoch nicht plötzlich. Nein, es begann mit hasserfüllten Botschaften und Wahlen und endete mit dem Tod von sechs Millionen Juden. Aber der Schrecken des Hasses endete nicht mit dem Holocaust! Es passierte erneut unter anderem in Kambodscha, Ruanda, Darfur und Myanmar. Und heute sehen wir den wachsenden Hass gegen Ausländer, Afroamerikaner, Muslime, Juden und andere. Deshalb – und dies könnte das letzte Mal sein, dass wir es tun – rufen wir Sie auf sicherzustellen, dass das Heute besser ist als das Gestern. Setzen Sie ein Zeichen und ermutigen Sie alle, Ihnen gleich zu tun: Machen Sie ein Selfie, auf dem #WeRemember steht, posten Sie es in den sozialen Medien und ermutigen Sie auch andere, es Ihnen gleich zu tun! Stehen Sie auf und setzen Sie ein Zeichen gegen jegliche Art von Rassismus und Hass. Wir werden uns leider immer daran erinnern, aber jetzt bitten wir Sie: Bitte vergessen Sie uns nie!“
Was einmal geschah, kann immer wieder geschehen, das hat uns die Geschichte gelehrt. Doch je mehr wir uns erinnern und andere daran erinnern, wie weit der Hass die Menschheit bringen kann, umso höher ist vielleicht die Chance, dass wir und unsere Kinder in einer friedlichen und offenen Gesellschaft leben können. Doch dafür müssen wir alle etwas tun und auch sichtbar Zeichen setzen. Und das hoffentlich nicht nur im Rahmen der #WeRemember-Kampagne.

wjc.weremember.info

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