Gelato, Gelato …

Eis und Wien, das ist eine besondere Beziehung. Das lässt sich schon daran ablesen, dass jeder zu seinem Eissalon eine ähnlich „religiöse Beziehung“ hat wie zu seinem Fußballklub. Um auch hier die Toleranz zu fördern, schlagen wir vor, sich selbst als Eisproduzent zu versuchen.

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Selbstgemachtes Erdbeereis. Wer (noch) nicht über eine Eismaschine verfügt, kann mal mit einem Handmixer starten. © Scheriau & Typolt

Eis und Wien – das gehört einfach zusammen, und wen auch immer man fragen möchte, jede und jeder schwört leidenschaftlich auf seinen Salon. Besonders in der Innenstadt herrscht eine erstaunliche Dichte an unterschiedlichsten „Eisdielen“, die alle eine eigene Spezialität anbieten und über die entsprechende Fangruppe verfügen. Von üppigen Nougatkreationen wie „Nocciolone“ bis zu veganen Leichtgewichten à la „Biostachelbeer“ ist für jeden Geschmack gesorgt. Und wenn die Eissalons nach der allzu langen Winterpause wieder öffnen, dann ist der Sommer da, egal wie tief die Temperaturen auch sein mögen.

Eis und Wien – das ist eine besondere und lange Liebesgeschichte, haben doch bereits im 19. Jahrhundert italienische Straßenhändler dafür gesorgt, dass das Gelato nicht nur den oberen Schichten zugänglich war, sondern auch Frau und Mann von der Straße, das „Gefrorene“ wurde in kleinen gekühlten Kisten „to go“ angeboten.

Ursprünglich stammt die kühle Köstlichkeit aus China, wo sich die Herrscher vor über 5.000 Jahren unter der Erde holzverkleidete Eislager anlegen ließen, in denen man Schnee und Natureis aufbewahren konnte, um die Getränke zu kühlen.


Erdbeereis

Zutaten (für 750 ml Eis):

500 g Erdbeeren (frisch oder tiefgekühlt)

125 g Zucker

2 El Zitronensaft

250 ml Vollmilch

250 ml Schlagobers

1 TL Vanilleextrakt

Zubereitung:

Die Erdbeeren mit der Hälfte des Zuckers und dem Zitronensaft pürieren, 3 El der Soße beiseitestellen. Den anderen Teil mit der Milch vermischen.

Schlagobers mit dem restlichen Zucker und der Vanille steif schlagen und vorsichtig unter die Erbeermasse heben. Ohne Eismaschine: Die Masse in eine halbrunde Kunststoffform füllen und eine Stunde tiefkühlen. Danach das angefrorene Eis mit dem Handmixer kräftig durchrühren und wieder einfrieren. Die Prozedur dreimal wiederholen, dann ist das Eis servierbereit. Mit etwas Fruchtsoße anrichten.


Im 4. Jh. v.d.Z. war Eis als Genussmittel bereits in Europa verbreitet, man vermengte es mit Honig und Früchten, seine schmerzstillende Wirkung hat Hippokrates in seinen Schriften festgehalten. Auch im Orient fand Eis bald seine Anhänger, die Basis waren Fruchtsirup, Gewürze und Wein. Das antike Knowhow um die Eisherstellung und vor allem die Konservierung war zwischendurch immer wieder verloren gegangen, bis Marco Polo am Ende des 13. Jahrhunderts sein Wissen über die Herstellung einer Kältemischung, so wie er sie in China kennen gelernt hatte, schriftlich dokumentiert hat. So gelangte das große Geheimnis nach Italien und von da in den Rest der bekannten Welt. Im 17. Jahrhundert war der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten: Erste Rezepte empfehlen die Mischung mit Schokolade, Kaffee – beides neue Geschmackserfahrungen ganz im Trend der Zeit und zusammen mit Vanille wertvolle Mitbringsel der umtriebigen Seefahrer, die nun rund um den Globus unterwegs waren und immer neue exotische Delikatessen mitbrachten. In allen europäischen Metropolen entstanden Kaffeehäuser, die nicht nur Heißgetränke, sondern auch Eisspezialtäten anboten. Den ersten veritablen Eissalon soll 1668 ein Exkoch von Ludwig XVI. in Paris eröffnet und somit die Tradition der italienischen Vorherrschaft begründet haben. Die erste Eismaschine, nach deren Prinzip Eiskästen bis heute funktionieren, entstand in den USA im 19. Jahrhundert, und 1851 wurde in Baltimore die erste Speiseeisfabrik gegründet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Straßen mit dem Eis am Stiel endgültig erobert und dieses somit allgemein verfügbar. Haben die Eissalons geschlossen, kann man zur Not – das aber jederzeit – auf Supermarktware zurückgreifen, die allerdings an das frische Produkt kaum heranreicht. Eine schöne Alternative ist die Eigenproduktion.

Und warum sollte man sich das antun? Ganz einfach: weil es Spaß macht, weil man Unabhängigkeit demonstriert und seine eigenen Kreationen frisch auf den Dessertteller bringen kann. Wobei man sich für Parfait auf Obersbasis, Eiscreme auf Milchbasis oder Sorbet auf Wasserbasis entscheiden kann, je nachdem, wie üppig man naschen möchte.

Das Wichtigste bei jeder Art von Eisherstellung ist das Rühren, und wer nicht über eine eigene Eismaschine verfügt, die gleichzeitig rührt und kühlt, kann das Ganze auch mit dem einfachen Handmixer erledigen. Die ersten Eiskristalle werden auf diese Weise zerschlagen, und die Masse wird geschmeidig.

Weil gerade Saison ist, haben wir uns für fruchtiges Erdbeereis entschieden – das mag wirklich jeder!

Be’TeAvon und Le Chajim!

Herzlichst, Finespitz

 

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