Israel – douze points

Netta Barzilai gewinnt für Israel den Eurovision Song Contest und löst Partystimmung aus.

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50.000 Menschen feierten gemeinsam den Sieg von Netta Barzilai in Tel Aviv. © flash 90/Tomer Neuberg

Es gibt viele Städte auf der Welt, die spontan öffentliche Plätze füllen können. Aber nur Tel Aviv gelingt das um drei Uhr morgens. Ohne eine Veranstaltung, ohne vorherige Ankündigung und am Tag, bevor die Arbeitswoche beginnt. Tel Aviv ist eine Stadt, die immer für eine Party bereit ist.“ So beschreibt Asaf Zamir, der stellvertretende Bürgermeister von Tel Aviv, die Nacht, in der Netta Barzilai den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Hunderte versammelten sich mitten in der Nacht am Rabin-Platz vor dem Rathaus, nachdem das Ergebnis verkündet worden war. Es wurde getanzt, gesungen, um die Wette gehupt, und einige sprangen sogar in den Brunnen vor dem Rathaus.

Die Stimmung war ausgelassen, und es fühlte sich an wie das Grand Finale der Feierlichkeiten zu Israels 70. Geburtstag.

Das Rathaus leuchtete in hellen Farben zur Feier des Tages. Darauf zu sehen in großen Buchstaben: NETTA.

Der Sieg von Toy ist der vierte Erfolg Israels beim Eurovision Song Contest. Der erste israelische Gewinner war 1978 Izhar Cohen mit A-Ba-Ni-Bi. Im Jahr darauf gewann Israel erneut mit Hallelujah, gesungen von Gali Atari & Milk and Honey. Und den letzten Sieg verzeichnete Israel mit dem Lied Diva von Dana International vor 20 Jahren, 1998. Toy hat bereits über 50 Millionen Aufrufe im Internet gesammelt. So eine große mediale Plattform gab es bisher noch für keinen israelischen Beitrag.

Die Stimmung war ausgelassen,
und es fühlte sich an wie
das Grand Finale der Feierlichkeiten zu
Israels 70. Geburtstag.

Bei ihrer Ankunft in Israel sagte Netta Barzilai zu den Journalisten: „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, den Menschen einen Grund zur Freude in diesem Land zu geben. Denn momentan gibt es nicht so viele Gründe dafür.“ Am selben Tag kam es zu heftigen Ausschreitungen am Gazastreifen und Protesten wegen der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem.

Genau dort, wo noch am Vortag eine spontane Menschenansammlung stattgefunden hatte, war heute eine riesige Party geplant. 50.000 Menschen kamen, um Israels Sieg zu feiern. Netta spielte ihr Lied Toy gleich zweimal vor: solo und zusammen mit dem Publikum und ihrer Crew auf der Bühne.

Für ihren Auftritt erntete Netta auch Kritik, etwa vom Journalisten und TV-Moderator Amnon Levy, der auf seiner Facebook-Seite schrieb: „Netta, meine Liebe, das ist kein Tag für Feste auf dem Rabin-Platz […]; Dutzende Menschen wurden getötet […]; während ihr in Tel Aviv tanzt, weinen die Menschen in Gaza über ihre Toten.“ Auch international wurde bereits zu einem Boykott des Eurovision Song Contest 2019 in Jerusalem aufgerufen.

Als Antwort auf die Kritik an der Entscheidung, an dem Abend, an dem es an der Grenze zum Gazastreifen zu Unruhen kam, eine solche festliche Veranstaltung abzuhalten, sagte der Regisseur der Show, Yoav Tzafir: „Dies ist die israelische Realität, diese Ereignisse sind nicht abhängig von Israel, Israel reagiert auf diese Ereignisse.“ Auch Doron Medalie, der das Lied Toy gemeinsam mit Stav Beger geschrieben hat, griff das Thema auf der Bühne auf: „In Israel geschehen gerade keine erfreulichen Dinge, aber wir lassen es uns nicht nehmen, unseren Sieg beim Eurovision Song Contest zu feiern.“ 

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