Adam Cohen: „Wäre ich in Wien geboren, hätte es mich vielleicht nach Tel Aviv gezogen.“

ADAM COHEN wurde 1982 in Tel Aviv geboren. Nach dem Abitur mit Schwerpunkt Kunst sowie dem Militärdienst lebte er anderthalb Jahre in Australien und Neuseeland. Bei einem zufälligen Besuch in Wien bewarb er sich an der Akademie der bildenden Künste und wurde dort aufgenommen. Nach dem Abschluss mit Magister in kontextueller Malerei begann er ein Zweitstudium am Institut für das künstlerische Lehramt. Heute unterrichtet er Kunst an zwei Hochschulen in Wien, 2016 begründete er das Unternehmen „Made by Mystery“ für analoge Musikinstrumente.

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© Ronnie Niedermeyer

Wien war für mich nicht selbstverständlich. Am Strand von Tel Aviv aufgewachsen, war ich bereits mit neun Jahren ein Vollblut-Wellenreiter. Seit der Teenagezeit und bis 2016 arbeitete ich fast jeden Sommer als Surflehrer an der Billabong Surf School in Tel Aviv und stand an mehr als zweihundert Stränden weltweit auf dem Surfbrett. Abseits von Meer und Wellen zu leben, konnte ich mir kaum vorstellen. Aber nach einiger Zeit in Australien war mir klar: Ich bin mehr als nur Surfer. Meine Seele verlangte nach einer ernsthaften Beschäftigung mit der Kunst – gezeichnet und gemalt hatte ich immer schon. Auch war mir stets klar, dass ich irgendwann aus Israel auswandern und woanders Kunst studieren würde. Meine Freunde reagierten mit Verständnis: „Ach, du warst in Israel ja immer schon Tourist!“ Dass es letztlich Wien wurde, war purer Zufall. Bei der Frage „Warum Wien?“ muss ich heute noch kurz grübeln. Wäre ich in Wien geboren, hätte es mich vielleicht umgekehrt nach Tel Aviv gezogen. Wie schon viele andere vor mir, ging ich von A nach B, weil ich eine gewisse Veränderung brauchte. Im Rahmen des Studiums an der Akademie der bildenden Künste schöpfte ich die Inspiration zur Gründung meines Unternehmens „Made by Mystery“. Statt auf Wellen, surfe ich heutzutage mit einem BMX-Rad am Asphalt des Heldenplatzes. Und wenn mich die Sehnsucht packt, steige ich ins Flugzeug und fliege nach Tel Aviv, zur coolsten Frau der Welt – meine Mutter.

Tipp: Das „Dessous“ im 12. Bezirk ist quasi mein zweites Zuhause – so heißt das Atelier-Projekt zwei meiner besten Freunde, Anne Wass und Gert Resinger. Mittlerweile umfasst es mehrere Stockwerke und bietet Atelierräume für über zwanzig KünstlerInnen – wie auch spannende Ausstellungen, Performances und Lesungen.

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