Im richtigen Film

Vor sechs Jahren wechselte Danny Rachnaev von einer Anwaltskanzlei in die Filmbranche. Wie geht es ihm heute?

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© Anna Goldenberg

Alle haben mich für verrückt gehalten.“ Es war das Jahr 2012, und Daniel Rachnaev arbeitete seit neun Monaten als Konzipient bei einer Wiener Wirtschaftskanzlei. Sein Jusstudium hatte Danny, wie ihn seine Freunde nennen, abgeschlossen, das Gerichtsjahr absolviert, nun stand einer Anwaltskarriere nichts im Wege. Nur: „Es war mir zu wenig kreativ“, sagt Danny. „Ich hatte kaum mit Menschen zu tun.“ Er kündigte – und ging nach New York. Dort absolvierte er eine Filmausbildung, die er sich finanzierte, indem er nebenbei kellnerte.
Den ersten Job in der Filmbranche bekam er dann auch in diesem Bereich: Bei der Produktion eines Werbespots war im Cateringteam jemand ausgefallen, ob er da einspringen könne? Konnte er. Dannys Einsatz fiel positiv auf, beim nächsten Mal wurde er als Produktionsassistent engagiert. Auf einen Job folgte der nächste, Danny wurde immer öfter gebucht.

»Neben Talent ist der Wille am wichtigsten.
Man muss es durchziehen wollen,
auch wenn es nicht einfach ist.«

Sechs Jahre später leitet er nicht nur Produktionen, der heute 35-Jährige ist am besten Weg zu seinem Ziel: bei einem eigenen Film Regie zu führen. Er produziert Werbefilme, hat bei mehreren Kino-, Fernsehfilmen und Serien mitgearbeitet und teilweise sogar am Drehbuch mitgeschrieben. Nebenbei nimmt er Schauspielunterricht, fotografiert und schreibt. „Neben Talent ist der Wille am wichtigsten“, sagt Danny. „Wenn nicht sogar wichtiger. Man muss es durchziehen wollen, auch wenn es nicht einfach ist.“
Sachen durchziehen, das kann Danny. Nach einem Jahr an der Wirtschaftsuniversität wechselte er zum Jusstudium, und obwohl er bald merkte, dass es ihn nicht interessierte, beendete er es. Nebenbei arbeitete er bei der Sicherheit der IKG und in diversen Studentenjobs, war sich für nichts zu schade. Ob es nun in einer Karaokebar, der Damenunterwäscheabteilung bei H&M („es war Bekannten immer sehr unangenehm, mich dort zufällig zu treffen“) oder bei einem türkischen Zeitungsverlag („der Inhaber war Alevit und wollte ständig über die Gemeinsamkeiten von Islam und Judentum reden“) war.
„Keiner sucht sich aus, wo er herkommt“, sagt Danny. Er selbst wuchs in Wien auf, seine Eltern kommen aus dem heutigen Tadschikistan, zuhause sprach man Deutsch und Russisch. Danny besuchte eine öffentliche Schule, ging in den jüdischen Religionsunterricht und zu den Feiertagen in die Synagoge in der Tempelgasse. Rituale empfindet er als „schön und verbindend“, auch wenn er sich selbst nicht als religiös bezeichnen würde. Wohl fühlt er sich in beiden Welten. Die ihn übrigens schon längst nicht mehr für verrückt halten.


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