Shneor Zivion: „In der Wiener Gemeinde wird man überall mit offenen Armen empfangen“

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SHNEOR ZIVION wurde 1976 in Ramat Gan geboren. Nach dem Besuch einer Jeschiwa in Bnei Brak zog es ihn ins Ausland – von 1996 bis 1998 machte er in Paris eine Ausbildung zum Pattisier; danach sammelte er in Italien, in der Schweiz und in den USA berufliche Erfahrung. Seit 2010 lebt Shneor Zivion in Wien. Mit seiner Frau Basya hat er zwei Kinder (Eli, 8, und Noa, 6). © Ronnie Niedermeyer

Eigentlich ging es um Geschäftliches, als ich im November 2008 ein verlängertes Wochenende in Wien verbrachte. Aus dem Geschäft wurde zu diesem Zeitpunkt nichts – meine Schokoladenkreationen fanden an diesen Tagen nicht die erhoffte Bewunderung –, dafür hatte ich aber auf der persönlichen Ebene einen viel größeren Erfolg: An diesem Schabbat lernte ich meine zukünftige Frau kennen. Nach der Hochzeit 2009 in Wien verbrachten wir ein Jahr in London. Doch meine Frau, eine waschechte Wienerin, zog es in ihre Heimatstadt zurück – und so durfte auch ich die kleine Wiener Gemeinde rasch besser kennen und schätzen lernen. Gerade weil diese im Vergleich zu den Gemeinden manch anderer europäischen Stadt nicht so groß ist, zeichnet sie sich umso mehr durch ihre Vielseitigkeit aus. Der Abwechslung wegen statte ich jeden Schabbat einer anderen Synagoge einen Besuch ab – ob chassidisch, sephardisch, bucharisch oder grusinisch, überall wurde ich mit offenen Armen empfangen. Dieser unglaubliche Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde ist eine besondere Eigenschaft von Wien. Und bei einer so tollen Infrastruktur mit koscheren Geschäften und Restaurants sowie jüdischen Schulen ist das Leben in Wien einfach lebenswert. 2011 übernahm ich eine alte Backstube im 3. Gemeindebezirk und lieferte anfangs jedes einzelne Brot mit dem Fahrrad. Da sich den ursprünglichen französischen Namen meines Unternehmens niemand merken konnte, hieß es einfach: „Bestelle beim Shneor.“ Somit fiel der Entschluss, den Firmennamen auf „Shneor’s“ zu ändern und dank des Erfolges auch in eine moderne Backstube im 2. Bezirk zu investieren. Die unermüdliche Hilfe meiner Frau spielte beim Aufbau des Geschäftes eine zentrale Rolle; heute kümmert sie sich um die Betreuung unserer Kunden. Inzwischen steht schon ein größeres Projekt im Raum – vielleicht wäre es inzwischen also doch lohnend, sich den Namen „Shneor’s“ zu merken …

Tipp: Von der kleinen familiären Runde über die Firmenbesprechung bis zur großen Hochzeit – hier werden echte Handarbeit und natürliche Zutaten noch großgeschrieben. Fingerfood, handgemachte Macrons und Torten aller Art sowie Biosauerteigbrot gehören zu unserem Standardsortiment.

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