Yael Loutati: „Ich verliebte mich buchstäblich in das jüdische Wien.“

Yael Loutati (geb. Deutsch) wurde 1986 in Frankfurt am Main geboren und übersiedelte 2003 nach Wien. 2005 machte sie den Lehrabschluss als Bürokauffrau am JBBZ, 2009 folgte die Ausbildung zur Gastronomin. Die 2012 von ihr gegründete Cateringfirma Shabbeskitchen hat seit 2017 in der Ungargasse ein eigenes Lokal. Yael Loutati und ihr Mann Nadav haben drei Kinder.

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© Ronnie Niedermeyer

Die Suche nach G-tt verschlug mich Ende 2003 mit siebzehn Jahren nach Wien. In einer säkularen Familie aufgewachsen, wuchs in jungen Jahren in mir der Wunsch, nach den Geboten des Judentums zu leben. Ich kannte Wien bereits aus meiner frühen Kindheit, da wir unsere Verwandten hier regelmäßig besuchten. Die jüdische Infrastruktur meiner Heimatstadt Frankfurt am Main war damals mit Wien kaum vergleichbar – und ist es auch heute nicht. Ich verliebte mich buchstäblich in das jüdische Wien. Menschen meines Alters, die den Schabbat hielten und trotzdem cool waren. Eine Vielzahl an koscherer Verpflegung und Bildungseinrichtungen, die auch ständig Zuwachs bekommen. Diese Dinge waren letztlich mit Grund, warum ich mich in so jungem Alter entschied, einen Neuanfang in Wien zu wagen. Ein weiteres „Verkaufsargument“ der Republik Österreich war die Tatsache, dass man hier die Schullaufbahn ein Jahr früher beendet. Wie alle Jugendlichen sehnte ich mich nach dem Ende der Schulzeit. Meine liebe Wiener Familie – Dorith Salvarani-Drill und ihr Mann Peter – sowie Familie Bar-David empfingen mich mit offenen Armen, unterstützten mich bei diesem schwierigen Neubeginn und tun dies noch heute. Über die Jahre folgte eine lange Anstellung im Servicebereich in der Gastronomie, eine Ausbildung zur Bürokauffrau, eine Anstellung am Rechts- und Konsularreferat der Deutschen Botschaft sowie bei Austrian Airlines. Seit meiner Tätigkeit im „Maschu Maschu“ war mir klar, dass ich mich beruflich langfristig im gastronomischen Bereich sehe. Es folgte die Qualifikation als Gastronomin im Jahr 2009. Seit 2012 betreibe ich die Shabbeskitchen – eine weitere koschere Option für Veranstaltungen in Wien und im gesamten europäischen Raum. Dass ich langfristig in Wien bleiben werde, war mir seit meiner Ankunft bewusst. Im Rahmen meiner Schiduchim musste der jeweilige Anwärter bereit sein, nach Wien zu ziehen, um in die engere Wahl zu kommen. Warum Wien? Ich liebe die Ruhe und die Gelassenheit. Ich liebe die (jüdische) Vielfalt. Ich liebe die Ordnung und Sauberkeit, die vielen Grünflächen, die es in Wien sogar innerstädtisch gibt. Ich liebe das Gefühl von „angekommen sein“. Wien ist anders: Das ist womöglich der einzige Werbeslogan, der tatsächlich stimmt. 2011 heiratete ich Nadav, den besten Ehemann der Welt. Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten eines Israelis in Wien fühlt auch er sich hier inzwischen zu Hause.

Tipp: Die Shabbeskitchen in der Ungargasse 6 ist ein Ort, an dem ich mich verwirkliche. Hier entstehen sowohl wunderbare Gerichte für Caterings in großem Rahmen als auch heimisches Essen für Schabbatot und Feiertage. Weiters bietet die Shabbeskitchen einen Raum, um persönliche Anlässe exklusiv in kleinem Rahmen begleitet von köstlicher Kulinarik zu feiern.

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